Reise nach
Tunesien

05. Mai bis 26. Mai 1972


von
Friedhelm Lichtenknecker

Die erste große Reise

1972

Nach dem ca. zwei stündigen Flug von Düsseldorf nach Djerba, bringt mich ein Bus zum Hotel Les Sirènes, von wo aus nach einem Mittagessen für unsere Gruppe meine erste Rundreise beginnt.

Hotel Les Sirènes,
Djerba am Strand von Sidi Mahrez.

(33°51'27.7"N 10°59'04.6"E)


Leider ist dieses Hotel seit 2011 ein Lost Place


Mit dem Bus gehts los, runter von der Insel Djerba über den Römerdamm (El Kantara), eine rund 7 km lange und 10 m breite Straße im Südosten von Djerba, die die tunesische Insel mit dem Festland bei Zarzis verbindet.
Die historische Verbindung, ursprünglich im 2. Jahrhundert n. Chr. von Römern erbaut, dient heute als Hauptverkehrsweg, Wasserleitung und Stromtrasse für die Insel.
Oase Gabès
Unser erster Stop und die erste Übernachtung haben wir in der Oase Gabès.
Bis zu den frühen 1970er Jahren war Gabès eine dynamische Küstenoase mit üppiger Vegetation, geprägt von Palmenhainen, Obstgärten (Aprikosen, Granatäpfel, Bananen) und Bewässerung durch Süßwasserquellen. Sie war als "Meeresoase" bekannt, da die Oase direkt an das Mittelmeer grenzte.

Leider war das Jahr 1972 ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der Oase Gabès, da in dieser Zeit der Bau des großen Chemiekomplexes (Groupe Chimique Tunisien) begann.
Die Errichtung der Industriezone zwischen Gabès und Ghannouch leitete den Wandel von einer rein landwirtschaftlich geprägten Küstenoase hin zu einem industriell belasteten Gebiet ein.



Gafsa
Gafsa ist der Platz des prähistorischen Standortes Capsa, der der epipaläolithischen Kultur des Capsien seinen Namen gab, genau wie dem Titularbistum Capsa.
Die mehr als 15.000 Jahre währende Besiedlungsgeschichte dieser Region belegen Knochenfunde und andere Spuren menschlicher Besiedlung.

Stopp in der Wüste


Tozeur
Eine Besonderheit von Tozeur ist die Lehmziegelarchitektur, die für diese Gegend Tunesiens charakteristisch ist.
Beispiele hierfür findet man sowohl bei modernen Gebäuden als auch in der Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und überdachten Tunnelwegen.


Nefta
Die Stadt liegt nahe der algerischen Grenze nördlich des Salzsees Chott el Djerid.
Die einstige Karawanenstation ist mit ihren 24 Moscheen und über 100 Marabouts das religiöse Zentrum der Region Bled el Djerid und eine Hochburg des Sufismus.


Folklore


Mit dem Kamel zum Chott el Djerid


Fatamorgana am Chott el Djerid
Fatamorganas sind am Chott el Djerid in Südtunesien aufgrund der enormen Hitze, der weiten Salzebenen und der starken Sonneneinstrahlung häufig zu beobachten.
Besonders mittags flimmert die Luft, wodurch der Horizont verschwimmt und Spiegelungen von Wasser oder Oasen entstehen.
Diese optischen Phänomene entstehen durch Lichtbrechung in unterschiedlich warmen Luftschichten.


Sbeitla
In unmittelbarer Nähe der Stadt befinden sich die Ausgrabungen der römischen Stadt Sufetula.
wir wohnen im Hotel Sufetula, einsam gelegen in der Wüste nahe der Ruinen.


Sufetula
war eine antike Stadt in Nordafrika in der römischen Provinz Africa proconsularis bzw. in der Spätantike Byzacena in der Nähe des heutigen Sbeitla.
In der römischen Kaiserzeit wurde Sufetula zu einer blühenden Stadt, die bis in die Spätantike bestand,
als es Sitz eines Bischofs wurde (auf das Bistum geht das gleichnamige Titularbistum der römisch-katholischen Kirche zurück).
Der rebellische Exarch Gregor von Karthago machte die Stadt zu seiner Residenz; wo er im Jahr 647 von den Arabern vernichtend geschlagen wurde.
Umfangreiche Reste der Stadtanlage aus römischer und byzantinischer Zeit sind erhalten, darunter das Forum.


Kairouan
viert heiligste Sadt nach Mekka, Medina und Jerusalem


Die große Moschee von Kairouan
- Sidi Oqba -
das Wahrzeichen der Stadt Kairouan wurde islamischen Überlieferungen zufolge vom Eroberer Nordafrikas ʿUqba ibn Nāfiʿ bereits gegen 670 auf dem Lagerplatz des muslimischen Heeres als Gebetsstätte gewählt. Die legendenhafte Moscheegründung und ihre Frühgeschichte (siehe unten) als die erste Moschee in der islamischen Eroberungszeit Nordafrikas begünstigten die Entstehung einer von Anfang an religiös geprägten Stadt nach Mekka, Medina und Jerusalem.

Wir dürfen uns überall umsehen, nur das betreten der inneren Gebetsräume ist uns untersagt.



Zaouia of Sidi Sahabi
- Moschee ds Barbiers -
Die Moschee des Barbiers (Zawiya von Sidi Sahib) in Kairouan, Tunesien, ist ein bedeutender historischer religiöser Komplex aus dem 17. Jahrhundert.
Sie beherbergt das Grab von Abu Zamaa al-Balawi, einem Gefährten des Propheten Mohammed, der Überlieferungen zufolge Haare des Propheten bei sich trug, weshalb der Ort als Heiligtum verehrt wird.


Tunis
Blick aus dem Fenster meines Zimmers im
Hotel in Tunis
(Name nicht mehr bekannt)
an der Avenue Habib Bourguiba
(36°48'01.3"N 10°11'05.0"E)
das Hochhaus schräg gegenüber ist das Hotel Africa



St. Vincent de Paul Cathedral



In der Medina von Tunis
Der Turm der Ez-Zitouna-Moschee in der Altstadt



Hotel du Lac in Tunis



Brutalismus-Ikone: Hotel du Lac in Tunis
In Tunesien verschwindet eines der bekanntesten Bauwerke der Hauptstadt Tunis: das Hotel du Lac.
Der markante Betonbau aus den 1970er-Jahren galt als Symbol für die Moderne und ist seit Jahren ein bedeutender Teil in der Architekturgeschichte des Landes. Die Form, eine umgedrehte Pyramide, machte das Gebäude weltberühmt. Nun haben Bagger mit den Abrissarbeiten begonnen. Das Ende des Hotels sorgt für Unmut. Architekturfreundinnen und ‑freunde, Aktivistinnen und Aktivisten und auch Fans der „Star Wars“-Saga versuchen, den Abriss zu verhindern. Denn das Hotel soll das Design des Sandcrawlers inspiriert haben, jenes ikonischen Wüstengefährts, das 1977 in „Krieg der Sterne – Eine neue Hoffnung“ erstmals auf der Leinwand zu sehen war.
Gedreht wurde der „Star Wars“-Film zum Teil in der tunesischen Wüste.
Brutalismus-Ikone: Hotel du Lac in Tunis
Errichtet wurde das Hotel zwischen 1970 und 1973 im Auftrag von Präsident Habib Bourguiba. Entworfen hatte es der italienische Architekt Raffaele Contigiani.
Mit seinen mehr als 400 Zimmern und zehn Stockwerken war es eines der größten Hotels Tunesiens


Bardo-Museum
ehemaligen Palast des Beys

Die Löwentreppe befindet sich im historischen Palast des Bey im Bardo-Nationalmuseum in Tunis.
Sie ist Teil des ehemaligen Palastkomplexes aus dem 19. Jahrhundert, der heute als eines der bedeutendsten archäologischen Museen des Maghreb für seine römischen Mosaike bekannt ist.
Die Treppe ist ein charakteristisches Merkmal der prunkvollen Architektur des Palastes.


Das Künstlerdorf 20 km südöstlich von Tunis
Sidi Bou Said


Karthago
In der Antike war Karthago über mehrere Jahrhunderte Hauptstadt des Karthagischen Reiches, einer bedeutenden See- und Handelsmacht.



Sousse
Die Medina (Altstadt) von Sousse geht auf das 9. Jahrhundert zurück und wird von einer 2,25 Kilometer langen Stadtmauer umgeben.
Am Ostrand der Medina erstreckt sich der ab 1899 angelegte Hafen.
Sousse erlebte in den frühen 1970ern einen touristischen Aufschwung, geprägt vom Ausbau der Hotellerie (z.B. Marhaba-Kette ab 1965) und war ein pulsierendes Zentrum an der tunesischen Ostküste.


El Djem
Mit einem Fassungsvermögen von 35.000 Zuschauern ist es das nach dem Kolosseum von Rom und dem römischen Amphitheater von Capua drittgrößte Amphitheater des Römischen Reiches.
Es wurde 238 unter Proconsul Gordianus I. gebaut, jedoch nicht von den Römern, sondern von den reichen Einwohnern von El Djem.
Die Römer hatten ein Amphitheater für 2000 Personen errichtet, dessen Reste in El Djem noch zu sehen sind.
Die durch die Olivenölproduktion reichen Einwohner El Djems wollten aber für alle Einwohner ein Amphitheater bauen und taten dies.
Wahrscheinlich sollte es dazu dienen, Kämpfe von Gladiatoren, öffentliche Hinrichtungen und andere Zirkusspiele abzuhalten, wozu es aber nicht kam.
Die Einwohner von El Djem nutzten es stattdessen, um sich vor den römischen Steuereintreibern (El Djem = Olivenölproduzent) zu verbarrikadieren, und um dies zu verhindern, rissen die Römer eine Seitenfront ab.
Man kann dort heute noch die Löwengruben und Gefangenenzellen sehen, die zum Teil aufwendig restauriert wurden.
Trotz einer teilweisen Zerstörung durch die Nutzung als Steinbruch für die Errichtung El Djems ist es noch erstaunlich gut erhalten.
Es wird angenommen, dass es bis zum 17. Jahrhundert gänzlich unzerstört blieb.


Nomaden


Matmata
Die Gestaltungsgrundsätze der Wohnungen sind mindestens 400 Jahre alt.
Zunächst wurden etwa 7 m tiefe Gruben mit einem Durchmesser von rund 10 m in den weichen Sandstein gegraben, so dass ein zentraler Platz entstand.
Dabei wurden ebenerdig Zimmer und Wohnungen in die so entstandenen senkrechten Wände gegraben.
Etwas höher in der Wand entstanden zudem kleine Kammern für Vorräte oder Höhlungen, die als Zisternen dienten. Zu ihnen führten Stufen.
Manche hatten Löcher in den Decken, durch die Getreide eingefüllt werden konnte. Ein schmaler Pfad, den auch die Haustiere nutzen konnten, führte von der Ebene hinab in die Grube.
Manchmal wurde die große Grube in einen Hügel gegraben, so dass man die Wohnungen seitwärts, also auf einem horizontal geführten Weg erreichen konnte.
Die Bauzeit betrug je nach Größe und Anspruch sechs bis zwölf Monate.



MARHALA MATMATA - Hotel
(33°32'30.2"N 9°58'23.0"E)
im Mai 1972



Touring Club MARHALA MATMATA - Hotel
in den 2020er Jahren


Oase Zarzis
Die letzte Übernachtung, bevor es wieder auf die Insel Djerba geht.


Von Djerba aus machte ich dann noch einen Ausflug mit dem Landrover Richtung Medenine, zu denBerber-Speicherburgen und weiter in den Süden in das kleine Dorf Chenini.
Medenine
(33°22'08.1"N 10°26'13.3"E)
Der Ksar Ouled Abdallah ist ein historischer Berber-Speicherburg (Ksar) aus dem 17. Jahrhundert im Dorf Metameur in der Nähe von Médenine.
Er diente traditionell als befestigtes Lager für Ernten. Die Struktur umfasst zahlreiche Lagerkammern (Ghorfas).

1972 ahnte noch niemand, das diese Landschaft einst Weltberühmt sein wird.
Filmgeschichte:
Die Anlage wurde für die Dreharbeiten zu Star Wars:
Episode I – Die dunkle Bedrohung als möglicher Schauplatz für die Sklavenunterkünfte von Mos Espa besichtigt (Recce-Site), jedoch letztlich nicht ausgewählt.



Bergdorf Chenini
Ab 1977 wurde die ganze Gegend rund um Chenini als Drehort für die Star-Wars Serie genutzt.
Viele Namen der umgebenden Städte und Gegend finden in der Filmreihe Verwendung;
Chenini ist dabei einer der Monde von Luke Skywalkers Heimatplaneten.


Oase Zarzis
Hotel Lella Meriam Zarzis
(33°35'14.9"N 11°04'44.5"E)

Die letzte Übernachtung, bevor es wieder auf die Insel Djerba geht.


Hotel Medina
(33°51'27.7"N 10°59'04.6"E)
neben dem Hotel Les Sirènes von wo aus meine Reise startete.
Noch 14 Tage verbrachte ich nach der Rundreise im Hotel Medina.