Nachmittags fuhren wir mit einem Sessellift hinauf zur Geisterstadt. Es wäre uns zu heiß gewesen den Treppenweg mit den vielen Stufen hinauf zu steigen. Es fuhren alle Mitreisenden, kostete ja auch nur 20 Yuan pro Person.
Der Lift endet an den hochgelegenen Hallen mit Darstellungen des „Königs der Unterwelt“, des Jüngsten Gerichts, des buddhistischen Fegefeuers (Hölle) und am Pavillon des Himmelssohnes.
Der Schritt durch das Tor zur Hölle will wohl überlegt sein. Wenn eine Frau mit dem linken Fuß über die Schwelle steigt, wird sie im nächsten Leben als Mann geboren. Für Männer gilt das Gegenteil. In der mittelchinesischen „Stadt der Hölle“, Fengdu, lässt sich die Auferstehung mit etwas Konzentration genau planen. Wenn Europär mit beiden Beinen über die Schwelle hüpfen, lächeln die einheimischen Begleiter nur. Fengdu ist mehr als 2000 Jahre alt und für Daoisten ein Wallfahrtsort wie Mekka für Muslime. Um mit den vielen Geistern der Stadt und ihrer Bergtempel zurechtzukommen, braucht es aber etwas Vorbereitung.
Auf dem Ming-Berg mit seinem 1600 Jahre alten Kloster müssen Besucher drei Prüfungen überstehen, um im kommenden Leben nicht zu arg vom Schicksal gebeutelt zu werden. Wer es lebend schafft, wird jetzt schon einmal 99 Jahre alt. Zuerst geht es über die „Brücke der Hilflosigkeit“, die über den imaginären Blutfluss führt. Im Fluss lauern schon die ersten Geister, die den arglosen Besucher in die Hölle ziehen wollen. Wer die Brücke in drei großen Schritten passieren kann, hat bestanden. Gehen Ehepaare Hand in Hand, werden sie auch im nächsten Leben vereint. Es stehen sogar zwei Brücken zur Auswahl. Wer die linke nimmt, bekommt Glück und Gesundheit. Die rechte steht für Reichtum. Ältere Europäer gehen meistens links, junge Chinesen eher rechts.