CHINA - Rundreise
06. bis 26. September 2010


von Erika C. Münch

Fengdu - Stadt der Geister

8. Tag - Mittwoch, 15.09.2010


Heute ist wieder ein schöner heißer und schwüler Tag. Die Sonne hat kein Erbarmen mit uns. Viele unserer Mitreisenden haben einen Sonnenbrand (der natürlich keiner ist), oder sind „knackig braun“. Da wir erst heute Nachmittag die Geister besuchen, haben wir den Vormittag zur freien Verfügung. Ein Gespräch mit Michael unserem Reiseleiter über Land und Leute gab nochmal Aufschluss über die Vorurteile, die man doch in Deutschland von den Chinesen hat.

Nach 10.00 Uhr konnte ich mich dann im Mah-Jongg spielen üben. Leider haben die Chinesen etwas andere Vorstellungen von diesem Spiel als wir Europäer. Diese sammeln Straßen um schnell ausmachen zu können. Und sie sammeln Paare, um möglichst viele Punkte zu bekommen, um dann auslegen zu können. Möchte gerne mal gegen Chinesen spielen, vielleicht ergibt sich mal was.
Fengdu wird wegen der bereits verlassenen Häuser als Geisterstadt bezeichnet. Der Name bezieht sich auf eine berühmte Tempelanlage, welche die Heimat der gestorbenen Seelen sein soll. Diese liegt hoch genug, um der Nachwelt erhalten zu bleiben.


Seit der Fluss aufgestaut wurde liegt die 50 000-Einwohner-Stadt Fengdu 35 Meter unter der Wasseroberfläche.
Ihr Tempel – 620 Treppenstufen über der Stadt – wird als Insel verschont. 


Nachmittags fuhren wir mit einem Sessellift hinauf zur Geisterstadt. Es wäre uns zu heiß gewesen den Treppenweg mit den vielen Stufen hinauf zu steigen. Es fuhren alle Mitreisenden, kostete ja auch nur 20 Yuan pro Person.
Der Lift endet an den hochgelegenen Hallen mit Darstellungen des „Königs der Unterwelt“, des Jüngsten Gerichts, des buddhistischen Fegefeuers (Hölle) und am Pavillon des Himmelssohnes.
Der Schritt durch das Tor zur Hölle will wohl überlegt sein. Wenn eine Frau mit dem linken Fuß über die Schwelle steigt, wird sie im nächsten Leben als Mann geboren. Für Männer gilt das Gegenteil. In der mittelchinesischen „Stadt der Hölle“, Fengdu, lässt sich die Auferstehung mit etwas Konzentration genau planen. Wenn Europär mit beiden Beinen über die Schwelle hüpfen, lächeln die einheimischen Begleiter nur. Fengdu ist mehr als 2000 Jahre alt und für Daoisten ein Wallfahrtsort wie Mekka für Muslime. Um mit den vielen Geistern der Stadt und ihrer Bergtempel zurechtzukommen, braucht es aber etwas Vorbereitung.
Auf dem Ming-Berg mit seinem 1600 Jahre alten Kloster müssen Besucher drei Prüfungen überstehen, um im kommenden Leben nicht zu arg vom Schicksal gebeutelt zu werden. Wer es lebend schafft, wird jetzt schon einmal 99 Jahre alt. Zuerst geht es über die „Brücke der Hilflosigkeit“, die über den imaginären Blutfluss führt. Im Fluss lauern schon die ersten Geister, die den arglosen Besucher in die Hölle ziehen wollen. Wer die Brücke in drei großen Schritten passieren kann, hat bestanden. Gehen Ehepaare Hand in Hand, werden sie auch im nächsten Leben vereint. Es stehen sogar zwei Brücken zur Auswahl. Wer die linke nimmt, bekommt Glück und Gesundheit. Die rechte steht für Reichtum. Ältere Europäer gehen meistens links, junge Chinesen eher rechts.


Die zweite Prüfung ist das Höllen-Tor. Die dritte eine Balanceübung im Palast des Höllenkönigs. Drei Sekunden müssen einbeinig auf einem wackeligen Stein durchgestanden werden. Wer versagt, hat Böses zu verbergen. Der Höllenkönig selbst gibt täglich Audienz. Sechs Meter hoch und drei Meter breit thront der Bronzekoloss in seinem Tempel. Er bewahrt auch das Buch auf, in dem Geburts- und Todestag jedes Menschen aufgeschrieben sind.
Ganz Klasse diese Ruhe und die tolle Aussicht. Oben gab es trotzdem noch genügend Stufen für uns und wir haben ordentlich geschwitzt. Alles war nass. So muss das Klima wohl auch in Thailand sein.


Nach dem Kapitäns-Dinner gab es noch eine kleine Show, zu der wir auch einen Teil beitrugen. Wir sangen: „Kein schöner Land in dieser Zeit“.
Einige Chinesen sangen Karaoke, Zimmermädchen und Kellnerinnen tanzten.
Das war ein gelungener Abend.





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